Die ersten Wochen zu Hause - Zusammenfassung der ersten Tage meines neuen Lebens

Liebe Leser, meine Seite soll Mut machen - aber ohne mir und anderen etwas vorzumachen. Ich werde nun weiter wahrheitsgemäß schreiben, wie es mir geht - auch wenn es vielleicht nicht jedem Leser gefallen wird.

Endlich, ich bin wieder zu Hause! Ich befinde mich in meinen eigenen vier Wänden, aber nicht mehr in meinem alten Körper. Obwohl meine Ärzte und das Pflegepersonal des Krankenhauses ihr Bestes gegeben haben - mein Leben ist nun sehr beschwerlich geworden. Ich werde jetzt meinen derzeitigen Tagesablauf etwas schildern - in der Hoffnung, bald Fortschritte nachreichen zu können.

Ich erwache frühmorgens und fühle mich wie ein Käfer in Rückenlage. Nachts muss ich in erhöhter Rückenlage schlafen, um den nächtlichen Reflux zu vermeiden. Meine Glieder und mein Kopf sind verdreht vom Schlafen mit erhöhtem Kopfteil des Lattenrostes. Es ist nicht möglich, sich so nachts einmal auf die Seite zu drehen. Darüberhinaus tendiert mein Körper in der Nacht dazu, von der erhöhten Lage abzurutschen, sodass ich mich morgens im unteren Abschnitt des Bettes wiederfinde. Ich habe schon mit mehreren Kissen experimentiert, aber noch keine optimale Lösung gefunden. Wer dies nicht nachvollziehen kann, sollte mal eine ganze Nacht in erhöhter Rückenlage versuchen ;-)

Am unangenehmsten beim Erwachen ist jedoch der "Stahlpanzer", welcher meine Lungen umschließt. Dieses Gefühl ist vergleichbar mit einem schweren Ledergürtel, welcher um die Brust gelegt und eng zugezogen wurde oder einem Kettenfahrzeug, welches auf meiner Brust steht. Das erste Aufstehen wird so recht schmerzhaft, aber im Laufe des Tages verliert sich der Stahlpanzer spürbar, ohne jedoch ganz zu verschwinden.

Nach dem Aufstehen gehe ich ins Bad, schaue in den Spiegel und sehe eine gezeichnete und abgemagerte Gestalt von nun knapp 65 kg. Sofort werde ich daran erinnert, dass ich unverzüglich den Kampf mit dem Untergewicht aufnehmen muss. Mein Magen fasst derzeit nur noch Mahlzeiten von etwa einem Viertel-Drittel der früheren Menge. Jedes Mehr an Nahrung, welches ich zu essen versuche, wird mit Magenschmerzen, Reflux und Atemnot quittiert. Um auf die nötigen Kalorien zu kommen, um mein Gewicht auch nur zu halten, muss ich ca. alle 2 Stunden kleine Mahlzeiten versuchen. Ich fange dazu am Morgen mit 2 kleinen Flaschen Malzbier und einer Banane an. Astronautenkost ersetzt dann das, was ich den Tag über an normaler Nahrung nicht schaffe. Immerhin ist es mir so gelungen, die letzen Tage zu Hause mein Gewicht zu halten.

Nachdem ich einmal aufgestanden bin, sind die Schmerzen auszuhalten. Dennoch habe ich die Haltung eines halb zusammengeklappten Taschenmessers, wenn ich mich durch den Tag bewege. Die Operationsnarben ziehen meinen Oberkörper zusammen. Ich versuche mit der im Krankenhaus erlernten Gymnastik der Schonhaltung entgegenzuwirken.

Nachmittags mache ich einen kleinen Spaziergang. Ich habe schon eine Reichweite von fast 1 km (Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber den paar Metern im Krankenhaus). Treppen und Steigungen stellen aber noch eine Herausforderung dar, nach 2-3 Stockwerken habe ich Atemnot und beginne zu Pusten. Die Lungen können wohl den benötigten Sauerstoff noch nicht liefern.

Besuche und Telefonate strengen mich noch sehr an. Zu meiner Kurzatmigkeit gesellte sich seit meinen Operationen ein Husten, der schmerzhaft meine Bauchdecke mit der großen Operationsnarbe hebt. Immerhin kann ich jetzt manchmal schon in ganzen Sätzen sprechen, ohne dass ich vom schmerzhaften Husten unterbrochen werde - aber nicht allzulange.

23. Juli 2007